Über 300 Jahre Kirchengeschichte Eschede

Die Entstehung der Kirchengemeinde Eschede

Um 800 nach Christi war es Karl d. Großen und der Missionierung gelungen, das Christentum auch in unserer Region (Südheide) einzuführen. In der Zeit nach 800 wurden Bistümer, Klöster und auch Kirchspiele gegründet, wobei die Christen aus Eschede und Umgebung zunächst dem Hauptort des Gaues Grethinge, Beedenbostel, als Archediakonat, zugeordnet waren.

Nach und nach entstanden dann aber in den größeren Orten Pfarr- und Taufkirchen, wohl zuerst in Holzbauweise. Die Kirchen wurden bevorzugt an historischen Stätten, wie z.B.Versammlungsplätzen, errichtet. Das dürfte auch für eine Kirche in Eschede auf dem sogenannten Theiberg zutreffen. In der Zeit von 1197 bis 1365, möglicherweise aber bereits im 
13. Jahrhundert (Verdener Geschichtsquellen), ist Eschede ein Kirchdorf geworden. Denn schon 1227 wird dort der Verkauf eines „halben Zehnten von Eschede“ erwähnt.

Im Jahr 2013 entstand zum 300. Geburtstag der Johanniskirche Eschede dieser Dokumentarfilm, der über die Kirche selbst, wie auch über die Christianisierung der Region und mehr berichtet.

Entwicklung der Gebäude

Über den oder die Baukörper und die Innenausstattung unserer früheren Vorgängerkirchen gibt es keine genauen schriftlichen Zeugnisse. Allerdings verbirgt sich in Teilen der heutigen Außenwände Feldsteinmauerwerk, was auf einen massiven Vorgängerbau hinweist. Schließlich gibt es Aufzeichnungen aus den Jahren 1669 bis 1712 zum Zustand  des Gebäudes, die ebenfalls auf eine gemauerte Kirche hinweisen (Chronik Göhrke, Seite 10). Auf jeden Fall war die Kirche bis zu dieser Zeit so baufällig geworden, dass 1713 ein Neubau erforderlich wurde. In dessen Umrissen ist das Kirchengebäude auch heute noch vorhanden (Broschüre 300 Jahre Johanniskirche). Der Neubau im Jahre 1713 erfolgte als barocke Saalkirche mit fünfseitigem Chorabschluss. Natürlich gab es dann auch für diese „neue Kirche“ in der nachfolgenden Zeit einige Renovierungen, so 1825, 1853-1856, 1898, 1922, 1950 und die große, umfassende Sanierung 1968 unter Pastor Görke.

Vor der Westseite der Kirche war vor dem Neubau im Jahre 1710 ein hölzerner, freistehender Glockenturm mit drei Glocken errichtet worden, die dort bis 1917 hingen (Einschmelzung) und erst 1922 durch drei neue Stahlglocken ersetzt wurden. Der Kirchturm brannte im Jahre 1978 vollständig ab und wurde danach 1979 ebenfalls in Holzbauweise neu errichtet. Dem Brand waren auch die drei Glocken zum Opfer gefallen, und deshalb wurden drei neue Bronzeglocken in den Turmneubau eingefügt.

Zum Ensemble der Gebäude in der Kirchengemeinde Eschede gehören noch das Pfarrhaus mit dem integrierten Kirchenbüro (ein umfassend saniertes altes Fachwerkgebäude). Ferner gehört das Schwesternhaus dazu (ebenfalls ein 2011 renoviertes kleineres Fachwerkgebäude), sowie das Christophorushaus, auf das nachstehend noch eingegangen wird. Auch die 1931 erbaute und 1962  erweiterte und erneuerte Auferstehungskapelle am Friedhof gehört zum Gebäudekomplex.

Das Kirchen-Innere

Zum Inneren der Kirche sind insbesondere der Altar, ein Taufbecken mit Marmorunterbau, der  hölzerne Taufengel, das Epitaph (Grabinschrift) derer von Melvill, die Orgel und je eine Holzplastik des Apostels Johannes und des Heiligen Christophorus erwähnenswert.

Der Apostel Johannes ist Namensgeber für unsere Kirche, der Heilige Christophorus für das Gemeindehaus.

In dem Mittelfeld des barocken Kanzelaltars wird das Heilige Abendmahl dargestellt. Darüber befindet sich ein fünfseitiger Kanzelkorb. Der Altar wird seitlich von einem Säulenpaar mit aufgemalten Weinranken als Zierde gerahmt.

Links vor dem Altar schwebt unter dem Dachgewölbe ein hölzerner Taufengel über dem Taufbecken, und er hält einen Lorbeerkranz darüber.

Das Epitaph aus Alabaster enthält das Familienwappen derer von Melvill und weitere Ahnenwappen. Die von Melvill waren die Nachfolger derer von Habighorst und 1702 mit dem  dort befindlichen Rittergut belehnt worden. Bereits 1730 wurde von den Melvilles in der Kirche zu Eschede die Anlage einer Familiengruft durchgeführt. Im Todesjahr des Generals Georg Ernst von Melvill wurde dann von seiner Familie das Epitaph an der Außenwand rechts vom Altar als Ehrenmal gestiftet.

Die Orgel (Orgelbau Hillebrand) wurde 1987 eingeweiht. Es ist die fünfte bekannte Orgel dieser Kirche nach 1775, 1855, 1922 und einer Interimsorgel (Orgelbau Hammer) 1968.

Die um 1750 geschaffene Holzplastik des Apostels Johannes ist von Pastor Görke der Kirche zugeführt worden, bei gleichzeitiger Namensgebung für die evangelische Kirche in Eschede.

Pastoren und Gemeindeleben

Zum Gemeindeleben ist festzuhalten, dass die ersten Pastoren und Gemeindemitglieder natürlich bis zur Reformation dem katholischen Glauben angehörten. Aus dieser Zeit sind keine Pastoren bzw. Pfarrer namentlich bezeugt. Auch wieviele Seelen ganz zu Anfang im Kirchspiel betreut wurden, ist schwer einzuschätzen und unterlag starken Schwankungen in der Anzahl der Bevölkerung. Es dürften anfangs um 250 bis 300 Personen gewesen sein.

Erste verlässliche Zahlen ergeben sich frühestens aus der Erfassung aller Einwohner in den Kirchspieldörfern weit nach der um 1527 im Herzogtum Lüneburg durchgeführten Reformation. So ergeben sich aus Aufzeichnungen im Jahre 1770 ca. 900 Seelen. Im Jahre 1845 waren es dann schon ca. 1500, und bis 1970 wuchs die  Einwohnerzahl von Eschede auf rund 6000 an.

Das machte dann die Einrichtung einer zweiten Pastorenstelle erforderlich. Für die inzwischen vervielfältigte Gemeindearbeit wurde 1964 das Christophorushaus gebaut, das 2009 umfassend renoviert wurde. Zusammen mit dem Schwesternhaus wurden hier Räumlichkeiten für Versammlungen, Bibelkreise, Chorproben, Vorträge, Sitzungen, den Konfirmandenunterricht usw. geschaffen.

Im Jahre 2015 besteht die Kirchengemeinde aus rund 3400 Mitgliedern. Rechnet man vom ersten bekannten protestantischen Pastor 1534 ab, wurde diese Kirchengemeinde bis 1969 durch 27 Pastoren  betreut. Ab Einrichtung der zweiten Pastorenstelle im Jahre 1970 kamen dann noch mal fünfzehn Pastoren/Pastorinnen bis zum Jahre 2016 hinzu.
 

Einen großen Stellenwert hat bis heute stets die gedeihliche Zusammenarbeit zwischen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern der Johanniskirche Eschede. Das ist mit Gottes Segen auch für die Zukunft unserer Kirchengemeinde zu wünschen.

Eine Zusammenfassung von: Hans Türschmann, Endeholz