Über den "Schenkenstress"

Nachricht 18. November 2017

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

Schenken und beschenkt werden ist eigentlich immer eine schöne Sache: Man kann Freude weitergeben und Wertschätzung ausdrücken. Man kann zeigen, dass man den anderen kennt und um seine Vorlieben weiß. Die Weihnachtszeit ist – neben vielem anderen – eine gute Zeit, um Geschenke zu machen. Allerdings kann das manchmal, gerade bei einem großen Verwandten- und Freundeskreis, richtiggehend in „Schenkenstress“ ausarten: „Letztes Jahr hat Opa Erich doch diese Krawatte bekommen; und was schenken wir dieses Jahr?“ Vielleicht kennen sie ja solche oder ähnliche Gedanken, liebe Gemeinde: Was schenken, wenn einer eigentlich schon alles hat, was er braucht. Es soll ja originell und kreativ sein und am besten noch zu Weihnachten passen. Die radikale Alternative „Wir schenken uns dieses Jahr aber nichts zu Weihnachten“ ist übrigens auch nicht immer die Lösung. Im letzten Jahr kostete „Wir schenken uns nichts“ nämlich durchschnittlich 52,84 Euro.

Dabei, liebe Gemeinde, kann man beim Weihnachtsschenken eigentlich gar nichts falsch machen. Es gibt nämlich grundsätzlich drei Arten von Geschenken, und alle drei passen perfekt zu Weihnachten.

Die erste Möglichkeit: Genau dasselbe verschenken, was ich letztes Jahr auch verschenkt habe: Eine Krawatte für Opa Erich, eine Schachtel Pralinen, ein Paar selbstgestrickter Socken. Das ist zwar nicht besonders kreativ, aber das Weihnachtsfest selbst hat so vieles, was Jahr für Jahr gleichbleibt: Jedes Jahr hören wir die gleiche Geschichte, singen die gleichen Lieder. Aber das ist ja auch gerade das Schöne daran. Gottes Botschaft, die er mit der Geburt Jesu in die Welt sendet, ändert sich nämlich ebenso wenig: Gott will seinen Menschen nahe sein. So war es damals, und so ist es noch heute.

Die zweite Möglichkeit: Etwas schenken, von dem der andere schon etwas hat, von dem aber auch noch etwas fehlt. Das nächste Buch einer Buchreihe, die passenden Manschettenknöpfe zum Anzug. Denn auch Gott hat an Weihnachten der Welt geschenkt, was noch gefehlt hat: Sein Wort der Hoffnung, durch einen menschlichen Mund gesprochen, so dass menschliche Ohren es hören und verstehen können.

Die dritte Möglichkeit schließlich: Etwas ganz Neues schenken. Eine DVD, ein Schmuckstück, Eintrittskarten für ein Musical. Ohne zu wissen, ob das dem anderen gefällt oder nicht. Vielleicht bewirken solche Geschenke erstmal ein wenig Schnappatmung: „Über SOWAS soll ich mich jetzt freuen...?“ Aber nach einer Zeit des In-der-Ecke-Liegens verändert sich diese Einstellung, und der Wert und die Freude dieses Geschenkes wird entdeckt. Auch das Geschenk Gottes, das wir an Weihnachten feiern, braucht manchmal ein wenig Zeit, um im eigenen Leben anzukommen. Wenn es dann entdeckt wird, entfaltet es eine umso größere Kraft.

Wenn Sie dieses Jahr also in „Schenkenstress“ geraten sollten, liebe Gemeinde, nehmen Sie es nicht so schwer: Jedes Geschenk trägt auf seine Art einen Teil der Weihnachtsbotschaft in sich. Da können Sie also eigentlich gar nichts falsch machen.

Es grüßt Sie ganz herzlich
Ihr Pastor Christian Relius

Christian Relius
Christian Relius
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